#26 – Nathalie Bauer (2016)

Onymische Anredeformen in computervermittelter Kommunikation – zur vokativen Verwendung von Rufnamen in WhatsApp-Interaktionen

Während zum interaktionalen Gebrauch nominaler Anredeformen in der Face-to-face-Interaktion bereits einzelne empirische Untersuchungen vorliegen (Günthner i.Dr.; Clayman 2012, 2013; Butler et al. 2011; Rendle-Short 2007, 2010; Norrick/Bubel 2009; Lerner 2003; Schwitalla 1995, 2010), ist der vokative Gebrauch von Namen in der computervermittelten Kommunikation bislang – außerhalb von Begrüßungs- und Verabschiedungssequenzen (Günthner/Zhu 2016; de Oliveira 2013; Schmidt/Androutsopoulos 2004) sowie zur direkten Adressierung in computervermittelten Mehrparteieninteraktionen wie beispielsweise dem Chat (Anglemark 2006; Runkehl et al. 1998) – nicht näher systematisch betrachtet worden. Hier setzt das zentrale Erkenntnisinteresse der vorliegenden Analyse an, die die Gebrauchskontexte, sequenziellen Einbettungen und Funktionen onymischer Anredeformen in computervermittelten Interaktionen außerhalb von gesprächsrahmenden Aktivitäten und einfachen Adressierungen, beispielsweise zur Disambiguierung von Redezuweisung, fokussiert.
Obschon onymische Anredeformen in Form von Rufnamen (Nübling et al. 2012: 108) aufgrund ihrer syntaktischen Optionalität als vokative Nominalphrasen oftmals – wie Sonnenhauser/Noel Aziz Hanna (2013: 16) es zusammenfassend konstatieren – als „mere ad hoc devices“ betrachtet werden, zeigt die vorliegende Untersuchung, dass die Verwendung onymischer Anredeformen in der Interaktion vielmehr einer gewissen Methodik im Sinne einer systematischen Positionierung zur Erfüllung bestimmter kommunikativer Funktionen unterliegt. In dieser Arbeit wird die interaktionale Funktion vokativ gebrauchter Rufnamen mithin nicht allein unter Berücksichtigung ihrer sequenziellen, sondern auch der turninternen bzw. syntaktischen Positionierung untersucht.

#25 [SABA #5] – Silvia Vogelsang (2016)

Beendigungen von Phone-In-Gesprächen

In Radio und Fernsehen hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Format etabliert, das die üblicherweise passive Zuhörerschaft aktiv in das öffentliche Sendegeschehen mit einbringt. Es handelt sich um das Phone-In, im Rahmen dessen Zuhörer mit dem Moderator einer Sendung telefonieren können. Das Gespräch wird live im Radio bzw. Fernsehen übertragen. Das Thema eines solchen Gesprächs ist je nach Sendeformat entweder vorgegeben oder kann vom Anrufer frei gewählt werden. Den Phone-In-Gesprächen liegt eine besondere Situation zugrunde: Die Interagierenden sind sich während des Gesprächs darüber bewusst, dass oftmals tausende Menschen zuhören. Da eine Phone-In-Sendung auch einen Unterhaltungscharakter haben soll, ist davon auszugehen, dass der Moderator darauf abzielt, das Gespräch konstant interessant zu halten. Außerdem unterliegt eine Phone-In-Sendung oft strikten Zeitvorgaben. Es ist zu erwarten, dass diese besondere Gesprächssituation sich auf die Gespräche auswirkt.
Inwiefern die Gesprächssituation die Realisierungsweise von Phone-In-Gesprächen beeinflusst, soll in dieser Arbeit am Beispiel der Gesprächsbeendigungen untersucht werden. Hierbei wird gesprächsanalytisch vorgegangen. In der bisherigen Forschung wurden die Beendigungen von Privatgesprächen – im Gegensatz zu Beendigungen öffentlicher Gespräche – bereits in großem Umfang analysiert. Die vorliegende Arbeit setzt sich nun zum Ziel, herauszuarbeiten, durch welche strukturellen Merkmale sich die Beendigungen von Phone-In-Gesprächen auszeichnen und worin Unterschiede zu den typischen Beendigungsschemata privater Gespräche liegen. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, welche Strategien genutzt werden, um die Beendigung einzuleiten und voranzutreiben. Es soll außerdem herausgestellt werden, inwiefern sich die Rahmenbedingungen des Phone-In-Formats auf die Gestaltung der Beendigungen auswirken. Auf diese Weise kann geklärt werden, wodurch es zum einen ermöglicht und zum anderen gerechtfertigt wird, dass die Beendigungen von Phone-In-Gesprächen sich von den präferierten Beendigungsschemata privater Gespräche unterscheiden.

#24 – Elisa Wessels (2016)

Von ‚Narrativer Identität‘ zur Positionierung in der Interaktion. Selbst- und Fremdpositionierungen durch Redeinszenierung im narrativen Interview mit demenzkranken Menschen

Im Zuge des sogenannten Narrative Turn (Bruner 1990) der Diskurspsychologie und der Soziolinguistik in den 1990er Jahre wurden autobiografische Erzählungen, Erzählungen von Selbsterlebtem, life stories oder auch self-narrations zu einem zentralen Zugang zu subjektiven Selbstherstellungsprozessen erklärt. Damit wurde ein Verständnis für die Besonderheit der Narrativität als sprachliche Handlung zur Identitätskonstruktion geschaffen.

Die vorliegende Arbeit reiht sich in diese Forschungstradition ein, fokussiert jedoch die empirische Erforschung von authentischem und gesprochen-sprachlichem Datenmaterial. Dabei ist das Ziel, die theoretische Idee einer „Narrativen Identität“ aus einer gesprächsanalytischen Perspektive zu verstehen und zu konkretisieren. Grundlegende Forschungsfrage ist, wie Interagierende die kommunikative Aktivität der Redeinszenierung für Positionierungszwecke nutzen und auf diese Art und Weise narrative Identität herstellen. Die Analyse orientiert sich an gesprächsanalytischen Methoden und Konzepten von Redeinszenierung (Günthner 1999, 2000a, 2002) und Positionierung (Bamberg 1997a; Lucius-Hoene / Deppermann 2004a, b). Der Forschungsfrage wird anhand von vier narrativen Interviews nachgegangen, in denen Frauen mit einer Demenzdiagnose in einem frühen Stadium dazu aufgefordert werden, aus ihrem Leben zu erzählen. In Anlehnung an prominente Beobachtungen der Sozialpsychologie (Kitwood 1998; Sabat 1991, 1994, 2001) wird eine Analysehaltung entworfen, die einen kontext-sensitiven Umgang mit Gesprächsdaten von Demenzerkrankten ermöglicht.

In diesem Sinne zeigt sich der Wert der vorliegenden Studie in zwei Aspekten: zum einen hinsichtlich der Erforschung von Formen und Funktionen kommunikativer Praktiken zur Identitätskonstruktion und zum anderen hinsichtlich einer Sensibilisierung der Linguistik für die empirische Erforschung von Gesprächsdaten dementer Menschen.

(Keywords: Narrative Identität, Positionierung, Redeinszenierung, Gesprächsanalyse, narratives Interview, Sprache & Demenz)

#23 – Inga Napierala (2015)

Zwischen Entspannung und Herausforderung: Sprachlich-kommunikative Merkmale und Besonderheiten im deutschsprachigen Vinyasa-Yoga

Yoga und seine positive Wirkung auf die physische und psychische Gesundheit sind in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Es ist ein beliebtes Thema in den Medien und verschiedener populär-wissenschaftlicher Formate. Ärzte empfehlen ihren Patient/-innen Yoga zur Unterstützung konventioneller Behandlungsmetho-den. Und auch die deutsche Männer-Fußballnationalmannschaft hat seit 2006 einen eigenen Yogalehrer. Dies sind nur ein paar Beispiele, die verdeutlichen: Yoga ist in Deutschland ein Trend. Diese Beobachtung ist Anlass, Yoga auch aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten.

Obwohl Yoga ursprünglich eine „deutlich psychospirituelle Konnotation“ (Cramer 2013: 16) hat, wird es heute (insbesondere in Europa und den USA) vornehmlich als Maßnahme zur Gesundheitsförderung erkannt. Die Übungen des Yoga, die zahlreiche Yogapositionen und verschiedene Atem- und Meditationstechniken umfassen, werden genutzt, um die Muskulatur aufzubauen, muskuläre Verspannungen zu lösen und um physische und psychische Entspan-nung herbeizuführen. Der primäre Zweck des modernen Yogaunterrichts ist es, den Yo-gaschüler/-innen diese Übungen zu vermitteln. In der vorliegenden Arbeit wird aufgezeigt, welche sprachlich-kommunikativen Verfahren, d. h. welche „grammatische[n] (syntakti-sche[n], lexiko-semantische[n]) wie auch prosodische[n] und sequentiell-interaktive[n] Struk-turen“ (Günthner 2000: 5) von den Interagierenden im Yogaunterricht verwendet werden, um diesen Zweck zu erfüllen. Untersuchungsgegenstand der Arbeit sind Vinyasa-Yogastunden (im Folgenden auch kurz: Yogastunde). Die Vinyasa-Yogastunde wird als Lehr-Lern-Situation definiert, in der ein körperlich anwesender Yogalehrer/eine körperlich anwesende Yogalehre-rin mehreren (mindestens zwei) Yogaschüler/-innen Wissen über körperliche und philoso-phisch-spirituelle Aspekte des Vinyasa-Yoga, einem modernen Yogastil, vermittelt. Mit den Methoden der Gattungsanalyse (vgl. u.a. Günthner/Knoblauch 1994) und weiterer empirisch ausgerichteter Ansätze wie der Konversationsanalyse (vgl. u.a. Bergmann 1994) und der Eth-nographischen Gesprächsanalyse (vgl. u.a. Deppermann 2000) wird dargestellt, welche sprach-lich-kommunikativen Verfahren charakteristisch für die Yogastunde sind und wie sie dazu beitragen, „Yogawissen“ zu vermitteln und Entspannung entstehen zu lassen. Diese Verfahren werden im Sinne des Konzepts der kommunikativen Gattung den jeweiligen Strukturebenen Außenstruktur, Interaktionsebene und Binnenstruktur zugeordnet und ihre Funktionen wer-den anhand verschiedener Transkriptbeispiele geklärt. Das Ziel der Arbeit ist es herauszustel-len, welche Verfahren im Kontext der Yogastunde als „verfestigt“ oder „formalisiert“ (Günthner/Knoblauch 1994: 703) gelten können und ob der Grad dieser Verfestigungen und Formalisierungen so hoch ist, dass die Yogastunde als eigene kommunikative Gattung einge-ordnet werden kann.

#22 – Larissa Böhringer (2015)

Kommunikative Verfahren in der Gattung ‚universitäre Sprechstunde‘

Die Hochschulkommunikation als Teil der institutionellen Kommunikation weckt bereits seit einiger Zeit das Interesse linguistischer Forschung (vgl. u. a. Lévy-Tödter/Meer 2009). Dabei rücken auch immer wieder universitäre Sprechstunden in den Fokus der Untersuchungen (vgl. u. a. Boettcher/Meer 2000; Kiesendahl 2011).
Der vorliegenden empirisch ausgerichteten und methodisch auf der Konversationsanalyse (vgl. u. a. Bergmann 2010) sowie dem Gattungskonzept (vgl. u. a. Günthner/Knoblauch 1994) beruhenden Untersuchung liegt ein Korpus von 30 universitären Sprechstunden zwischen Lehrenden und Studierenden zugrunde. Mit Hilfe dieses Korpus zielt die Arbeit auf die Beantwortung folgender Fragen:

  • Inwiefern können hochschulische Sprechstunden als kommunikative Gattung gelten?
  • Welche Verfestigungen zeigen sich auf den verschiedenen Gattungsebenen Außenstruktur, Binnenstruktur und situative Realisierungsebene?
  • Wie gestalten Interagierende bestimmte kommunikative Verfahren innerhalb dieser Gattung?
  • Woran zeigt sich die Ausrichtung der Interagierenden an ihrem Gattungswissen bzw. an Faktoren der institutionellen Kommunikation?

Diese zentralen Fragestellungen motivieren sich aus der Tatsache, dass universitäre Sprechstunden, obwohl Gegenstand einiger linguistischer Untersuchungen, noch nicht systematisch als kommunikative Gattung eingeordnet worden sind. Die Detailanalyse bestimmter kommunikativer Verfahren hat dabei den Zweck, anhand konkreter Gespräche aufzuzeigen, wie Interagierende diese Verfahren realisieren und sich dabei an ihrem Gattungs- und Institutionswissen ausrichten. Die Einordnung von hochschulischen Sprechstunden innerhalb des Gattungskonzepts fungiert dabei als Scharnier: Auf der einen Seite ermöglicht dieses Vorgehen, institutionell bedingte Faktoren, die die Interaktion beeinflussen, zu beschreiben, auf der anderen Seite lassen sich diese Faktoren an die vorliegenden Daten und die darin realisierten kommunikativen Verfahren rückkoppeln.
Die Ergebnisse einer solchen Untersuchung geben Einblicke, wie Interagierende eine universitäre Sprechstunde kollaborativ erzeugen und sich dabei an ihrem Gattungs- und Institutionswissen orientieren und damit zugleich den Kontext ihrer Interaktion herstellen.

#4 [SABA] Julian Graffe (2013)

Gattungsanalyse von Gesprächen im Nachrichtendienst des sozialen Netzwerks Facebook

Im Jahre 2004 gründete der damalige Student der Harvard University Mark Zuckerberg das soziale Netzwerk Facebook und schuf damit eine Marke, die acht Jahre nach ihrer Entstehung laut Angaben des Konzerns über eine Milliarde Menschen zu ihren Mitgliedern zählt. Von der Möglichkeit animiert, eigene Urlaubsfotos zu teilen, mit Freunden sowie Bekannten zu chatten und sich über den Werdegang längst aus dem Blickfeld geratener Weggefährten zu informieren, nutzen Menschen weltweit das vielfältige Angebot der Online-Plattform. Facebook definiert sich als Ort, an dem zwischen Menschen virtuell Verbindungen aufgebaut, Kontakte geknüpft und soziale Beziehungen gepflegt werden können, und befindet sich somit in der Tradition der computervermittelten Kommunikation.
Vor dem Hintergrund zahlreicher Forschungsansätze zu Chat- und E-Mail-Kommunikation ist die vorliegende Arbeit eine Analyse der Kommunikation zwischen Nutzern im populärsten sozialen Netzwerk und richtet ihren Fokus damit auf ein Feld, das in der Linguistik bislang nur am Rande thematisiert wurde. Sich des aktuellen Forschungsstandes bewusst, diskutiert die Arbeit aus einer gattungsanalytischen Perspektive die typischen Merkmale von Gesprächen, die im Nachrichtendienst von sechs postadoleszenten Mitgliedern einer Peergroup geführt wurden. Es werden jene Merkmale herausgearbeitet, die auf die Art und den Ablauf des Gesprächs im Nachrichtendienst einen großen Einfluss haben. Zentrales Augenmerk liegt hierbei auf der Fragestellung, ob und inwieweit die Kommunikation der Peergroup im sozialen Netzwerk vor dem Hintergrund des linguistischen Gattungsbegriffes als eigene Gattung klassifiziert werden kann.

#3 [SABA] Larissa Böhringer (2013)

Konversationelles Erzählen in der Hörspielreihe „Die drei Fragezeichen“. Ein Vergleich zur face-to-face-Interaktion

Erzählungen sind lange Zeit literaturwissenschaftliches Terrain gewesen. Auch linguistische Zugänge wie der Strukturalismus oder die Textlinguistik bezogen sich auf literarische Texte (Gülich/Hausendorf 2000: 370). Ehlich (1980: 18) stellt jedoch fest, dass das Erzählen eine „alltägliche Tätigkeit auch jenseits der professionellen Bereiche des literarischen Erzählens“ ist. Doch „[e]rst mit der Entwicklung der Pragmatik und der Gesprächsanalyse traten auch alltägliche Erzählungen ins Blickfeld [der linguistischen Forschung]. Dabei wurde alltägliches Erzählen im wesentlichen mit mündlichem Erzählen gleichgesetzt“ (Gülich/Hausendorf 2000: 370). Dass Hörspiele von einer linguistischen Fragestellung ausgehend untersucht werden, ist hingegen ein selten gewählter Ansatz. Meist ist es ebenfalls „die Literaturwissenschaft, die sich intensiv mit dem Hörspiel beschäftigt“ (Ladler 2001: 61). Zudem werden Hörspiele auch als didaktisches Mittel eingesetzt (z. B. Lermen 1983). Was die linguistische oder gar konversationsanalytische Untersuchung von Hörspielen betrifft, besteht ein Forschungsdesiderat.
In dieser Arbeit werden die zwei genannten Komponenten, das Hörspiel und das konversationelle Erzählen, miteinander verbunden. „Der Dialog ist im Hörspiel […] die Nachbildung des Gesprächs zwischen mehreren Personen“. Knilli (1961: 79; Hervorhebung im Original) trifft damit den Ausgangspunkt dieser Arbeit. Das Gesprochene im Hörspiel ist eine Nachahmung spontaner mündlicher Produktionen. Die Frage ist jedoch, wie nah diese Nachahmung der sprachlichen Wirklichkeit kommt, die in Alltagsinteraktionen zwischen Handelnden hergestellt wird. Zur Beantwortung dieser Frage wird das konversationelle Erzählen innerhalb der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“ mit dem konversationellen Erzählen innerhalb einer authentischen face-to-face Interaktion verglichen.
Der Fokus dieser Arbeit liegt also darauf, inwiefern das konversationelle Erzählen einer inszenierten Oralität in Hörspielen einer realen face-to-face Interaktion gleicht bzw. von ihr abweicht. Konkret geht es also um folgende Fragen: Welche Strukturen und Merkmale machen das konversationelle Erzählen in einer face-to-face Interaktion aus? Welche dieser Strukturen und Merkmale tauchen in der Hörspielinteraktion auf, welche nicht?

#21 – Vera Beckmann (2012)

Selbstdarstellung und Urteilsfindung in universitären Auswahlgesprächen zwischen Deutschen und Chinesen – Eine empirische Gattungsanalyse

In der heutigen Zeit der fortschreitenden Globalisierung und Internationalisierung unserer Lebenswelt stellen Auslandsaufenthalte eine immer wichtigere Qualifikation für Studierende dar. Der Austausch zwischen StudentInnen verschiedenster Nationen bildet damit zum einen für die jungen Menschen eine spannende und nachhaltige Erfahrung und bereichert auf der anderen Seite ebenso die Universitäten in wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht. Um zuverlässig geeignete KandidatInnen für die begehrten Stipendien, Praktika oder betreuten Auslandsstudienplätze auszusuchen, werden Gespräche zwischen VertreterInnen der Bildungsinstitutionen und studentischen InteressentInnen geführt, in denen ein Abgleich zwischen dem Anforderungsprofil und den Qualifikationen bzw. Kompetenzen der interessierten Studierenden erfolgen kann. Diese universitären Auswahlgespräche stellen – ähnlich wie Bewerbungsgespräche in wirtschaftlichen Unternehmen – eine kommunikative Gattung dar, mit deren Hilfe die institutionelle Aufgabe der Selektion von BewerberInnen gelöst wird. Die dieser Arbeit zugrunde liegenden Gesprächsdaten wurden an einer Fremdsprachenuniversität in Zentralchina erhoben und weisen charakteristische, gattungstypische Merkmale auf, die in vielerlei Hinsicht spannende Anknüpfungspunkte für eine linguistische Analyse bieten: Dozentin, KandidatIn und Protokollantin agieren in einem (zeitlich festgelegten) institutionellen Rahmen in zugewiesenen Interaktionsrollen auf unterschiedlichen hierarchischen Ebenen. Jede/r der Interagierenden verfolgt dabei spezifische Ziele und wirkt durch die eigenen Handlungen interaktiv an der Gestaltung des Auswahlgesprächs mit. Zudem sind Dozentin und Protokollantin deutscher und die KandidatInnen chinesischer Staatsangehörigkeit, was ebenfalls Einfluss auf die Gespräche nehmen kann. Folgende Fragestellungen leiteten die Analyse der Daten:

1. Welche kommunikativen Handlungen der TeilnehmerInnen tragen zur interaktiven Hervorbringung der Gattung ‚Auswahlgespräch‘ bei?
2. Wie lassen sich die Interaktionsrollen der Beteiligten charakterisieren und an welche spezifischen Ziele sind diese gebunden?
3. Welche kommunikativen Strategien werden genutzt, um diese Ziele zu erreichen?
4. Welche thematischen Verfestigungen zeigen sich in den Gesprächen?
5. Welche Beurteilungskriterien liegen der institutionellen Entscheidung zugrunde?
6. Inwiefern nimmt der Faktor der kulturellen Zugehörigkeit Einfluss auf die Gespräche bzw. zu welchem Zweck wird er gezielt relevant gesetzt?

Die fortschreitende Globalisierung und Vernetzung der Universitäten zeigt schon heute einen regen kulturellen Austausch in der Wissenschaft, der in Zukunft weiter zunehmen wird. Die Analyse des hier vorliegenden Datenmaterials zeigt, dass universitäre Auswahlgespräche als gatekeeping-Situationen eine wichtige Aufgabe im Kontext der Hochschulkommunikation erfüllen und zu ihrer institutionellen Weiterentwicklung beitragen. Diese ‚Schlüsselstellen̒ näher in den Blick zu nehmen und linguistisch zu untersuchen, bietet damit eine vielschichtige Perspektive auf Abläufe und Interessen der Institution, die durch die kommunikativen Handlungen ihrer VertreterInnen tagtäglich immer wieder neu hergestellt und aufrecht erhalten wird.

 

#2 [SABA] Yvonne Mende (2011)

“ich ess mir jetzt mal n müsli“ – Der Gebrauch von Konsumverben mit Dativkonstruktionen
Die Arbeit setzt sich mit einem Phänomen auseinander, das so bislang nicht in der Forschungsliteratur aufgegriffen wurde. Es handelt sich dabei um eine Konstruktion, die mir als Sprecherin sehr geläufig ist, anderen SprecherInnen aber fremd zu sein scheint. Gemeint ist die Kombination eines der Verben essen, trinken und rauchen oder deren Synonyme, die im Folgenden zur Klasse der Konsumverben zusammen gefasst werden sollen, mit einem Personalpronomen im Dativ. Die untersuchte Konstruktion lässt sich also auf folgende Formel zusammenfassen: Konsumverb mit Personalpronomen im Dativ. Ein Beispielsatz soll zur Illustration dienen: „Ich esse mir ein Brötchen“ ist die Form, in der mir dieses Phänomen bereits häufig aufgefallen ist.
Im Folgenden soll nun geklärt werden, ob sich diese Verwendung des Personalpronomens mit dieser Verbklasse einem bereits bestehendes grammatisches Phänomen zuordnen lässt oder gegebenenfalls eine neue Kategorie für diese Konstruktion enstehen muss. Außerdem soll die Funktion genauer untersucht werden. Dazu werden Daten der gesprochenen Sprache, aber auch Beispiele aus der internetgestützten Kommunikation analysiert. Zuvor soll allerdings ein kurzer Einblick in die aktuelle Forschungsliteratur gegeben werden. Gewählt wurden dazu die Bereiche der freien Dative, die Reflexivierung im Deutschen und die Kollokationen, da alle drei Aspekte zur Beschreibung des Phänomens, wie gezeigt werden wird, notwendig sein könnten.
Abschließend soll ein Ausblick darauf gegeben werden, ob diese Konstruktion regional beschränkt ist und welche Konsequenzen aus den Ergebnissen der Analyse gezogen werden könnten.

#20 – Christine Hrncal (2011)

„Was heißt schon x?“ – Relativierungsverfahren im Sprachgebrauch des Deutschen

Bei der gemeinsamen kommunikativen Lösung verschiedener Situationen in der Alltagsinteraktion greifen die InteraktionsteilnehmerInnen neben spontan getätigten Äußerungen auch auf verfestigte Muster zurück, die sie im Laufe ihrer Teilnahme an verschiedenen Interaktionssituationen als Teil ihrer Sprachkompetenz erworben haben. Diese verfestigten Muster werden, in Anlehnung an die Construction Grammar, als Konstruktionen verstanden. Die Bedingungen, unter denen „Konstruktionsschemata“ Anwendung finden, werden nicht jedes Mal aufs Neue von den Gesprächspartnern etabliert, sondern sind „Teil ihres sprachlichen Wissensvorrats“ (GÜNTHNER 2008a: 42).

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, für die im empirischen Teil präsentierten Daten Muster erkennbar zu machen und Aussagen über formale und funktionale Aspekte der Was heißt (schon) x-Konstruktion als ein im Sprachgebrauch des Deutschen auftretendes Verfahren zur Relativierung bereits getätigter Aussagen auf der Basis gesprächsanalytischer Untersuchungen treffen zu können. Die der Untersuchung zu Grunde liegenden Gesprächsdaten entstammen einem Korpus, das 13 Stunden gesprochene Sprache sowie 25 Threads aus Internetforen umfasst.
Bei der Analyse der Daten stehen insbesondere die Fragen „Wodurch wird den RezipientInnen signalisiert, in welcher Funktion die Was heißt (schon) x-Konstruktion eingesetzt wird?“ und „Welche Mittel stehen den InteraktionsteilnehmerInnen in den verschiedenen medialen Kontexten (gesprochene und geschriebene Sprache) zur Verfügung, um ein “korrektes“ Verstehen der sich hinter dem Gebrauch der Was heißt (schon) x-Konstruktion verbergenden Intention zu gewährleisten?“ im Fokus.

Schlüsselwörter: Construction Grammar, Gesprochene-Sprache-Forschung, Gesprächsanalyse, On line-Syntax

#1 [SABA] Sven Weidner (2010)

Sprachkritik als Modeerscheinung

Ziel der Arbeit ist es, zu überprüfen, ob beim Thema Sprachkritik von einer Modeerscheinung gesprochen werden kann und, ob wir uns am Beginn einer eventuell neu aufkommenden Mode befinden.
Dabei werden zuerst sprachkritische Bewegungen der letzten hundert Jahre kurz skizziert. In einem weiteren Schritt wird anhand der Veröffentlichungstermine von sprachkritischen oder sprachwissenschaftlichen – sich mit der Sprachkritik beschäftigenden – Werken oder Artikeln festgestellt, dass es eine Häufung von Veröffentlichungen zu bestimmten Zeiten gab.
Um zu untersuchen, ob aktuell von einem Beginn einer neuen „Mode“ gesprochen werden kann werden aktuelle sprachkritische Ereignisse dargestellt. Hierbei wird auf die Arbeit von Bastian Sick, den Podcast der Duden-Sprachberatung und die Behandlung des Themas „Sprachkritik“ in der Schule eingegangen. Noch kann nicht endgültig bestätigt werden, dass eine neue „Mode“ beginnt, dennoch ist eine Tendenz zu beobachten, die darauf schließen lässt, dass wir uns am Beginn einer neuen Welle der Sprachkritik befinden.

#19 – Beate Weidner (2010)

Kommunikative Ungleichheiten in Fernsehdiskussionen am Beispiel von hart aber fair

Wer steuert in einer politischen Fernsehdiskussion den Gesprächsverlauf? Wer legt fest, welche Person zu welchem Zeitpunkt über welches Thema in welcher Weise etwas sagt? Mit dem Alltagswissen über Talkshows beantwortet man diese Fragen problemlos: die moderierende Person. Fernsehdiskussionen stellen eine Form institutioneller Kommunikation dar, bei der sich an die verschiedenen Positionen unterschiedliche Aufgaben, Rechte und Pflichten knüpfen. Es liegt ein typisches Beispiel für eine asymmetrische Interaktionssituation vor. Als Vertreterin der Institution verfügt die Moderation zweifelsohne über gewisse Steuerungsressourcen, mit denen sie den Gesprächsverlauf beeinflussen kann. Die Gäste aus der Politik und Wirtschaft nutzen ihren Auftritt in der Sendung jedoch zum Zweck der Selbstdarstellung, der ihnen Gelegenheit bietet, Imagearbeit zu betreiben. Diese Beobachtung zum kommunikativen Verhalten der Gäste lässt bezweifeln, dass die Steuerung des Gesprächsverlaufs uneingeschränkt in den Händen des/der Moderators/in liegt.

Mit einer Analyse der an der sprachlichen Oberfläche sichtbaren kommunikativen Ungleichheiten zielt die Arbeit auf die Erfassung positionsspezifischer Spielräume zur Gesprächssteuerung, die dem Moderator sowie den Gästen der Sendung hart aber fair zur Verfügung stehen. Zu diesem Zweck wird in den Bereichen der Turnwechselorganisation, der Themenbehandlung und der Frage- und Antwortstrategien untersucht, inwieweit der Moderator die Gesprächssteuerung behaupten kann und welche Möglichkeiten zur Gegensteuerung für die Gäste bestehen, durch die sie von passiv Antwortenden zu Akteur/inn/en der Gesprächsgestaltung werden. Im Zentrum des Forschungsinteresses steht demnach die Frage nach der Entstehung, Aushandlung und Etablierung von kommunikativen Asymmetrien zwischen den Interagierenden.

#18 – Amelie Hauptstock (2010)

Prosodie in Alltagserzählungen. Zur Konstitution von kohäsiven Einheiten

Schon als Tier hat der Mensch Sprache. Alle heftigen und die heftigsten unter den heftigen, die schmerzhaften Empfindun- gen seines Körpers, alle starke Leidenschaften seiner Seele äußern sich unmittelbar in Geschrei, in Töne, in wilde, un-artikulierte Laute. (Herder 1776: 5) Folgt man Herders Idee, dass der Ursprung der Sprache im Ausdruck von Gefühlen, vor allem von Schmerzempfinden liegt und existentiell mit einem (instinktivem) Bedürfnis nach Mitteilung verbunden ist, so überrascht es geradezu, dass dem Ton der gesprochenen Sprache in der heutigen Zeit keine primäre Aufmerksamkeit gewidmet wird und das Reden eine unter vielen Kommunikationsarten geworden ist. Dabei ist es vor allem der Ton, wissenschaftlich ausgedrückt die Prosodie, die dazu beitragen kann, dass eine Unterhaltung funktioniert, dass sie strukturiert wird und dass Gefühle, Stimmungen oder Befindlichkeiten und damit Bedeutungen übermittelt werden. Dass das alltägliche Sprechen miteinander funktioniert, liegt auch an konventionell und kulturell verankerten Formen, von denen das Erzählen eine ist. Als rekonstruktive Gattung bieten Erzählungen und narrative Sequenzen die Möglichkeit, das Rederecht über einen längeren Zeitraum an einen Erzähler/eine Erzählerin zu übergeben. Dabei können die einzelnen Abschnitte oder auch Phasen einer Erzählung aufgrund des interaktiven Charakters von Alltagsgesprächen unterbrochen, abgebrochen, ergänzt, erweitert werden, ohne von der eigentlichen narrativen Struktur abzuweichen. Ein Mittel, um diese eingeschobenen Sequenzen als eben solche Einschübe zu markieren, ist der Einsatz von prosodischen Phänomenen. Mittels prosodischer Konturen können auditiv wahrnehmbar kohäsive Einheiten konstruiert werden, die als Nebensequenzen interpretiert werden können. Dies wird in der vorliegenden Arbeit anhand von Praat- und Transkriptanalysen verdeutlicht werden.

#17 – Lars Wegner (2010)

Unverbundene “wenn”-Sätze in der deutschen Gegenwartssprache

Betrachtet man wenn-Konstruktionen des Typs wenn isch FRAU wär, isch würd im sommer NUR kleid tragen. oder wenn dir son ding gegen [(.)] gegens AUto: (.) knAllt, (-) das is schon ganz schön HEFtich und so., wie sie in der gesprochenen Sprache häufig vorzufinden sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie von einem Großteil schriftsprachlich sozialisierter MuttersprachlerInnen als „ungrammatisch“ oder schlichtweg „falsch“ gedeutet werden; so würde man – wie diverse schriftsprachlich ausgerichtete Grammatiken propagieren – nach Abschluss des wenn-Satzes doch zunächst den Anschluss eines mit „dann“, „so“ oder einem finiten Verb eingeleiteten Folgesyntagmas erwarten (wie z. B. „Wenn ich Hunger habe, (dann/so) esse ich etwas.“). Statt der für das normierte Schriftdeutsch gewöhnlichen syntaktisch integrierten Anschlussstruktur an den wenn-Satz findet man hier, in Ausschnitten des gesprochenen Deutsch, Folgesyntagmen vor, welche die Verbstellung eines selbstständigen Hauptsatzes aufweisen.
Ziel der vorliegenden Magister- bzw. Staatsexamensarbeit ist es zu zeigen, dass derartige „unverbundene wenn-Konstruktionen“ (Günthner 1999) nicht etwa als versehentlich hervorgebrachte Produkte ihrer in grammatischer (bzw. syntaktischer) Hinsicht nur unzureichend gebildeten BenutzerInnen angesehen werden können; vielmehr wird deutlich, dass Interagierende diese ganz gezielt und bewusst einsetzen, und zwar als „Projektorkonstruktionen“ (Hopper 2005, 2006; Günthner 2006a, 2007b,c, 2008a,b), die als „Lösung [der] [] im Prozess der Interaktion sich gleichzeitig stellenden komplexen Aufgaben [fungieren]“ (Günthner 2008a: 109). Die Gliederung der Arbeit trägt der o.g. Zielsetzung Rechnung: Zunächst geht es in Kapitel 2 darum, die Sicht traditioneller, meist schriftbasierter Grammatiken einzuholen: Werden unverbundene bzw. nicht-integrierte wenn-Sätze in Anbetracht der geschriebensprachlichen Ausrichtung überhaupt erwähnt? Wenn ja, welche kommunikativen Funktionen werden mit ihrer Verwendung in Verbindung gebracht? In Kapitel 3 gilt es, einen Blick in die Forschungsliteratur fernab grammatischer Darstellungen zu werfen: Welchen Einblick gewährt sie in die Funktionsweise dieser häufig als „fehlerhaft“ gedeuteten syntaktischen Konstruktion? Auf Basis der in diesem Kapitel gewonnenen Erkenntnisse wird in Kapitel 4 eine genauere Eingrenzung bzw. Präzisierung der Fragestellung vorgenommen, die bestimmte, für die gesprochene Sprache charakteristische Aspekte der Zeitlichkeit – basierend auf Konzepten Auers („on line“-Syntax) und Hoppers („Emergent Grammar“) – systematisch zu berücksichtigen versucht. Der Grundstein für den in Kapitel 6 folgenden Hauptteil dieser Arbeit, der sich zum Ziel setzt, sich den aufgeworfenen Fragen in empirischer Hinsicht, d. h. auf Grundlage der Analyse realer Sprachdaten (informellen Face-to-Face-Interaktionen sowie medial vermittelten Kontexten (z. B. „Big Brother“, „Domian“ etc.) entspringend), zuzuwenden, wird mit einem knappen Methodenteil in Kapitel 5 gelegt. Dieser informiert über das herangezogene Datenkorpus und die Vorgehensweise bzw. Methodik bei der Analyse des sprachlichen Materials. Im Schlussteil dieser Arbeit, in Kapitel 7, werden die Analyseergebnisse der Untersuchung zusammengefasst, die Erkenntnisse der Untersuchung in einen größeren Forschungszusammenhang eingeordnet, und es wird ein kurzer Ausblick auf ein Aufgabengebiet gegeben, welches für die zukünftige Forschung eine bedeutsame Rolle spielen könnte.

(Schlüsselwörter: wenn-Konstruktion(en), Emergent Grammar, „on line“-Syntax, Projektion(en), Projektorkonstruktion(en))

#16 – Elisa Franz (2010)

Kommunikative Verfahren beim SpeedDating – eine empirische Gattungsanalyse

SpeedDating ist eine vergleichsweise junge Form der organisierten Partnerschaftsvermittlung, die sich zunehmender Popularität erfreut. Interessant am SpeedDating ist nicht nur, inwiefern die institutionelle Einbindung der Partnerwahl Einfluss auf das Gesprächsverhalten der Teilnehmer/-innen nimmt, sondern auch inwiefern das SpeedDating-Gespräch von den Gesprächspartnern/-innen interaktiv erzeugt wird. Der vorliegende Beitrag untersucht die kommunikativen Verfahren, die in den SpeedDating-Gesprächen von den Teilnehmenden verwendet werden. Grundlage dafür sind empirische Daten aus 49 Gesprächen eines im März 2008 stattgefundenen und mit Audiogeräten aufgezeichneten SpeedDatings in Münster.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Gibt es Standardisierungen und Verfestigungen, die sich als typische kommunikative und damit konstitutive Merkmale für das SpeedDating-Gespräch herausstellen, so dass man das SpeedDating-Gespräch als eigene kommunikative Gattung bezeichnen kann?
Die Gespräche werden dazu im Sinne der Gesprächsanalyse nach formalisierten, spezifischen Mustern und Routineformeln überprüft. Da es beim SpeedDating im Wesentlichen um das Herausfinden einer Passung geht, werden die kommunikativen Verfahren mit denen anderer Gattungen verglichen, bei denen ebenfalls eine Passungsüberprüfung vorgenommen wird, wie beispielsweise mit der des Bewerbungsgesprächs und der Courtshipkommunikation (Erstkontaktkommunikation). Welche sprachlichen Verfahren werden bei der Selbstdarstellung, der Positionierung zu bestimmten Sozialkategorien, dem Flirten und dem Einsatz von Schlüsselwörten im Sinne des Impression Management eingesetzt und wie wird eine Passung mit den Gesprächspartner/-innen ausgehandelt und konstituiert?

Schlüsselworte: Kommunikative Gattungen, Conversation Analysis, Face-work, Courtship, Selbstdarstellung, Passungsüberprüfung.